Therapietechniken

Die Strahlentherapie erfolgt in enger Abstimmung aller Fachdisziplinen der Universitätsmedizin entsprechend nationaler und internationaler Konzepte.

Besondere Erfahrungen haben wir uns auf folgenden Gebieten erworben:

  • der Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie bei Enddarmtumoren, vor und nach Operation
  • Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie bei Lungentumoren, Tumoren des Kopf-Hals-Bereiches, der Speiseröhre, des Mageneinganges und des Gehirns.
  • der Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie bei Brustkrebs
  • Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie vor Operation von Gebärmutterhalstumoren, Scheidentumoren, Vulvakarzinomen
  • operative Strahlentherapie (Brachytherapie) bei Kopf-Hals-Tumoren, Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterkörpertumoren, Scheidentumoren
  • der Strahlentherapie von gutartigen Erkrankungen bzw. vor und nach Gelenkersatz zur Verhinderung von Kalkablagerungen

Informationen zu den Therapietechniken:

Atemgetriggerte Bestrahlung mittels C-RAD

Seit Mitte 2019 ist einer unserer Beschleuniger mit dem C-RAD System ausgestattet. Dieses System ist ohne zusätzliche Dosisbelastung in der Lage, die korrekte Positionierung des Patienten vor und während der Bestrahlung in Echtzeit zu verifizieren. Dieses System wird zum Beispiel bei der Bestrahlung des linksseitigen Mammakarzinoms verwendet wenn eine ungünstige Position des Herzens eine Bestrahlung unter tiefer Inspiration notwendig macht. Somit ist man in der Lage sowohl die Herzdosis signifikant zu reduzieren als auch weiterhin eine sichere Applikation der Dosis im Tumor zu gewährleisten.

Weitere Informationen zu diesem System: Video C-RAD System

3D-konformale Bestrahlungstechnik

Die Grundlage der 3D-konformalen Bestrahlungstechnik ist ein komplexer Arbeitsprozess zwischen Ärzten, Physikern und MTRA, bei der durch Kombination verschiedener Einstrahlrichtungen und Intensitäten eine optimal wirksame Dosisverteilung im Tumor bei gleichzeitig maximaler Schonung der umliegenden Risikoorgane ermöglicht wird.

Planungverlauf bei der 3D-konformalen Bestrahlungstechnik:

Der erste Schritt zur 3DCRT ist die Anfertigung einer dreidimensionalen Bilderserie des Körpers des Patienten im Bereich des Tumors mit Hilfe eines CT Scans (Computertomographie). Durch bereits vorangegangene medizinische Diagnostik kann in dieses dreidimensionale Modell des Patienten die exakte Position des Tumors integriert werden. Nach der zusätzlichen Konturierung der Risikoorgane im Bereich des Tumors (z.B. Herz und Lunge beim Mammakarzinom) wird am Bestrahlungsplanungssystem ein Bestrahlungsplan für den Patienten erstellt, welcher optimal an die individuelle Patientengeometrie bzw. die Lage der Risikoorgane zum Tumor anpasst ist. Hier werden die Einstrahlrichtungen so gewählt, dass Risikoorgane bestmöglich geschont werden um kurz- als auch langfristige Nebenwirkungen zu vermeiden.

Eine zusätzliche Schonungsmöglichkeit von Risikoorganen ist möglich durch tiefes Einatmen während der Bestrahlung (Deep Inspiration Breatch Hold, DIBH). Diese Technik wird z.B. bei Patientinnen mit Mammakarzinom zur Reduktion der Herzdosis angewendet.

Intensitätsmodulierte Strahlentherapie

Die sogenannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie (Intensity Modulated Radiation Therapy, IMRT) ermöglicht eine exakte Anpassung der Dosisverteilung an komplexe Zielvolumina bei bestmöglicher Schonung der umgebenden Risikoorgane. So werden z.B. bei Tumoren im Beckenbereich mit Hilfe dieser Technik die gastrointestinalen Nebenwirkungen im Vergleich zur 3D-konformalen Bestrahlungstechnik signifikant reduziert.

Im Verlauf der physikalischen Bestrahlungsplanung mit Hilfe der IMRT Technik werden bestimmte Vorgaben (Constraints/Objectives) für die Dosis im Tumor und die Risikoorgane definiert, die dann durch einen komplexen Computeralgorithmus zu einer optimalen Dosisverteilung umgerechnet werden.

In unserer Klinik wird die IMRT-Technik inzwischen fast ausschließlich für alle Bestrahlungen sowie in Einzelfällen beim Mammakarzinom verwendet. Ob sich zum Beispiel beim Mammakarzinom für die IMRT Technik entschieden wird, hängt in erster Linie von der Komplexität des Zielvolumens und der Lage der Risikoorgane bezüglich des Tumors ab.

Image Guided Radiation Therapy

Um sicherzugehen, dass man das geplante Zielvolumen bei der Bestrahlung exakt erfasst und die Sicherheitssäume reduziert werden können (zwecks Schonung umliegenden Gewebes), werden zum Beispiel bei der Prostatabestrahlung vier kleine Goldmarker in die Prostata implantiert. Durch Verifikationsaufnahmen vor jeder Bestrahlung lässt sich die Lage der Prostata genau bestimmen. Vor jeder Bestrahlung wird nun die Lage der Goldmarker mit der ursprünglichen Planungsaufnahme verglichen, die notwendigen Verschiebungen automatisch berechnet und anschließend durch Rotations- und Translationsbewegungen des Bestrahlungstisches korrigiert.

Auf den Bildern (klicken zum Vergrößern) erkennt man die Aufnahmen einmal von vorn (linkes Bild) und einmal von der Seite (rechtes Bild). Es sind jeweils die geplante (oben links) die aktuell erstellte (oben rechts) Aufnahme und eine Überlagerung von beiden (unten links) zu erkennen. Die drei weißen (geplantes Bild) bzw. schwarzen (aktuelle Aufnahme) Punkte sind die Goldmarker, anhand derer man die Position der Prostata erkennen kann und mit Hilfe derer die Verschiebung vorgenommen wird.

Stereotaxie

Für hochpräzise Bestrahlungen im Kopfbereich bieten wir das stereotaktische Verfahren an. Hierzu wird der Kopf mithilfe spezieller Lagerungshilfen sehr aufwändig fixiert. Durch eine Vielzahl von Einstrahlrichtungen wird erreicht, dass sich der Hochdosisbereich primär im Tumor befindet und umliegendes Gewebe geschont werden kann. Insbesondere für kleine Zielvolumina ist dieses Verfahren mittlerweile das Mittel der Wahl. Patienten mit gutartigen Erkrankungen, wie zum Beispiel dem Akustikusneurinom, profitieren von dieser schonenden Behandlungstechnik.

Auf dem linken Bild ist anhand eines Beispiels die Dosisverteilung im Bereich des Tumors zu sehen. Bereits 3cm vom Tumor entfernt ist die Dosis hier nur noch auf ein Zehntel der Dosis im Tumor gesunken. Es zeigt sich wie sich der Hochdosisbereich primär an das eingezeichnete Zielvolumen anpasst und gleichzeitig das umliegende Gewebe mit einer deutlich geringeren Dosis belastet wird als im Tumor ankommt.

Auf dem rechten Bild ist die wellenförmige Bewegung der Einstrahlungsrichtungen im Rahmen einer stereotaktischen Bestrahlung zu sehen. Durch die Wahl einer nicht-koplanaren Einstrahltechnik kann die Hochdosisbelastung des gesunden Gewebes um den Tumor herum noch weiter reduziert werden.

Brachytherapie

Bei der Brachy- oder auch Kontakttherapie wird der Tumor nicht von außen bestrahlt, sondern ein radioaktiver Strahler wird über vorhandene Körperöffnungen oder auch Nadeln in den Patienten hineingebracht.

Die Reichweite dieser Strahlung ist sehr kurz, so dass sich mit diesem Verfahren sehr hohe Strahlungsdosen auf einen sehr kleinen Gewebebereich konzentrieren lassen, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu belasten. So bietet sich diese Technik vor allem für wenig ausgedehnte Tumore an, die mit der Strahlenquelle gut erreicht werden können. Selbstverständlich sorgen wir bei der Anwendung mit Nadeln dafür, dass auch diese Behandlung völlig schmerzfrei für den Patienten abläuft.

Mammakarzinom:

Die HDR-Brachytherapie ist beim Mammakarzinom eine etablierte ergänzende Therapie zur perkutanen Therapie als Boost (zielgerichtete zusätzliche Dosis im Tumorbett) oder als alleinige Therapie bei ausgewählten Tumorkonstellationen, die sogenannte Teilbrustbestrahlung (TBB). Unter operativen Bedingungen werden Plastikkatheter in die Brust an die Stelle des ehemaligen Tumorsitzes eingebracht. Diese sind hohl, so dass eine Ir-192-Quelle ferngesteuert nacheinander in jeden Katheter einfahren kann.

Auf Grundlage eines CT-Scans wird mit einem 3D-Bestrahlungsplanungssystem genau berechnet, an welcher Stelle und wie lange die Strahlendosis in der Brust abgegeben wird. Der steile Dosisgradient (d.h. die Dosis fällt über kurze Distanz steil ab) dieser Methode ermöglicht eine bestmögliche Schonung von Haut, Lunge und ggf. Herz bei Abgabe einer hohen Einzeldosis auf das Tumorbett. Die Katheter verbleiben 2 Tage (Boost, 2 x Bestrahlung: abends und morgens) bzw. 1 Woche (TBB, 8 x Bestrahlung: abends und morgens) in der Brust. Die Patientin befindet sich in dieser Zeit in stationärer Betreuung. Der Eingriff zur Implantation der Katheter in Narkose dauert ca.1 Stunde. Nach der letzten Bestrahlung werden die Katheter entfernt (gezogen). Das kosmetische Ergebnis dieser Methode wird als sehr gut bis hervorragend bewertet (Ärzte und Patientinnen)!

Prostatakarzinom:

Die HDR-Brachytherapie eignet sich besonders gut als Ergänzung zur perkutanen Strahlentherapie, als sogenannte Boosttherapie, beim Prostatakarzinom. Unter Ultraschallkontrolle werden gemeinsam von einem Strahlentherapeuten und einem Urologen bis zu 20 kleine Hohlnadeln in die Prostata eingeführt. In diese kann dann eine Ir-192-Quelle ferngesteuert einfahren und so gezielt in der Prostata Strahlung (=Dosis) abgeben. Vorteil ist hier der steile Dosisgradient, d.h. die Dosis fällt auf kurzer Distanz steil ab, so dass umliegende Organe optimal geschützt werden können.

Die Berechnung der Standorte und Standzeiten der radioaktiven Quelle in den Nadeln werden computergestützt mit einem 3D-Bestrahlungsplanungssystem auf Grundlage der während der Applikation gewonnenen Ultraschallbilder errechnet und optimiert. So erhält man eine hohe Einzeldosis in der Prostata bei bestmöglicher Schonung von Blase und Darm. Der Eingriff erfolgt unter Narkose (allgemein oder spinal) und ist daher völlig schmerzfrei. In der Regel dauert das gesamte Procedere 2-3 Stunden und wird im Abstand von 1-3 Wochen wiederholt. Zur Überwachung verbringt der Patient eine Nacht in stationärer Betreuung.

Schmerzbestrahlung - Röntgenstrahlen gegen Schmerz

Bei der Röntgenreizbestrahlung (Orthovolttherapie) handelt es sich um ein Therapieverfahren zur Behandlung von entzündlichen und degenerativen Erkrankungen von Gelenken und Weichteilen. Gute Erfolge lassen sich dabei zum Beispiel bei Verschleißerscheinungen (Arthrose) der Schulter-, Knie- und Daumensattelgelenke sowie bei Reizzuständen der Achillessehne oder des Ellenbogens (Tennisarm) und bei schmerzhaftem Fersensporn erzielen.

Bei einem Fersensporn z.B. kommt es durch Über- oder Fehlbelastungen in Folge von Fehlstellungen oder Übergewicht zu einem dornartigen Knochenauswuchs aus der Ferse. In Folge von Entzündungen im Bereich des verknöcherten Ansatzes der Achillessehne, können starke Schmerzen auftreten. Hier hat die Röntgenreiztherapie sehr gute Behandlungserfolge zu verzeichnen.

Visite-Sendung 17.4.2012 

Die Terminvergabe erfolgt über unsere Anmeldung unter der Rufnummer 0381-4945288.

Für weitere medizinische und organisatorische Informationen zur Behandlung stellen wir Ihnen hier unser Patienteninformationsblatt zur Verfügung.

Zur Schmerztherapie der Hüfte und der Lendenwirbelsäule wird in erster Linie unser Linearbeschleuniger verwendet, da die hier erzeugten hochenergetischen Photonen in größere Gewebetiefen vordringen können als die konventionellen Röntgenstrahlen. Die Dosisverteilung und das Zielgebiet sind in den folgenden zwei Grafiken am Beispiel der rechten Hüfte zu sehen:

Details zur Ausstattung:

Linearbeschleuniger: VERO-System

VERO Beschleuniger (gemeinsame Entwicklung von Mitsubishi Heavy Industries und Brainlab)

Dieser im Jahr 2015 an unserer Klinik installierte Beschleuniger (offizielle Eröffnung am 25.11.2015) wurde gefördert vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Eine kurze Projektbeschreibung ist hier zu finden: link

Das Brainlab VERO-System stellt die neueste Weiterentwicklung auf dem Gebiet der roboter-gestützten
Hochpräzisionsstrahlentherapie dar und ermöglicht eine dreidimensionale Bildkontrolle in Bestrahlungsposition mit individueller Strahlführung zur Behandlung komplexer Volumina oder zur Tumornachverfolgung (mittels kollimatorbasiertem ultraschnellem Tracking).

Eine kurze Zusammenfassung der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie in diesem Flyer unserer Klinik: VERO-Flyer

Technische Informationen: link zum PDF

Linearbeschleuniger: 3x Elekta VersaHD

  • Multileafkollimator mit 160 Lamellen (Agility™ 160 multileaf collimator)
  • Photonenenergien: 6, 10 und 15MV
  • Elektronenenergien: 4, 6, 8, 10, 12 - 15MeV
  • hochpräzise Lagerung und Feldkontrolle durch kV- und MV- cone beam CT
  • HexaPOD™ Bestrahlungstisch mit 6 Freiheitsgraden (Korrektur der Patientenlagerung nach Bildgebung durch Translation und Rotation)

Brachytherapie: Elekta mHDR v2

Brachytherapie

Röntgentherapiegerät XStrahl200

Konventionelles Röntgentherapiesystem zur Behandlung von Patienten mit Entzündungen, zur Schmerztherapie bei entzündlich-degenerativen Gelenkerkrankungen wie Arthritis und Arthrose sowie Erkrankungen der Sehnenansätze (Epicondylitis) und Fersensporn. Diese niedrig dosierten, auf wenige Sitzungen beschränkten Bestrahlungen bewirken oft eine gute Besserung, zum Teil auch vollständige Rückbildung der Beschwerden. Zusätzlich können oberflächliche Tumoren behandelt werden. Das Gerät kann im Energiebereich von 20keV bis 200 keV betrieben werden.

Für nähere Informationen stellen wir hier ein Informationsblatt für Patienten zur Verfügung.

4D-Computertomograph: Philips Brilliance Big Bore

  • 16-Zeilen-Spiral-CT
  • 85 cm Gantryöffnung
  • Atemkorrelierte Bildgebung