Projekte der Medizinischen Physik / Ärzte
Moderne Therapie beim Nicht-Kleinzelligen Lungenkarzinom: prospektive Kohortenstudie zu kardialen Spätfolgen nach Radiochemotherapie in Kombination mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren
In Deutschland erkranken jährlich etwa 43.000 Menschen neu am Nicht-Kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), davon rund 30 % in fortgeschrittenen, meist nicht operablen Stadien. Diese Patient:innen erhalten eine kombinierte Radiochemotherapie mit hohen Strahlendosen, wodurch die mittlere Herzdosis über 12 Gy liegt – etwa dreimal höher als bei Brustkrebspatientinnen. Während die kardiotoxischen Effekte der Radiotherapie beim Mammakarzinom gut untersucht sind, fehlen für NSCLC-Patient:innen entsprechende Langzeitdaten. Wie erstmals in der PACIFIC-Studie gezeigt (Antonia et al. 2017), verbessert sich durch Immuntherapien die Prognose der betroffenen Patient:innen deutlich. Die günstigere Prognose bei NSCLC-Patient:innen unter Einsatz von Immun-Checkpoint-Inhibitoren lässt aber auch erwarten, dass kardiale Folgeerkrankungen durch die onkologische Therapie zunehmen und in der Nachsorge neue Prioritäten erfordern.
MONIRA ist eine multizentrische Beobachtungsstudie mit prospektivem Follow-up. Im Projekt werden die Strahlenexposition des Herzens und kardiale Gesundheitsparameter der betroffenen Personen systematisch erfasst, um Risiken kurz- und langfristiger Herzschäden nach Radiochemotherapie zu analysieren. Langfristig soll MONIRA dazu beitragen, dass Strahlentherapie und kardiologische Nachsorge bei NSCLC-Patienten weiter verbessert und therapiebedingte Folgeschäden minimiert werden.
MONIRA ist als langfristige Registerstudie angelegt. Der Aufbau einer zentralen Datenbank ist für eine das Projekt überdauernde nachhaltige Nutzung von Forschungsdaten ausgelegt. Neben den spezifischen Fragestellungen der MONIRA-Studie soll diese Plattform auch zukünftig Nachwuchswissenschaftlern im Bereich der Epidemiologie und Medizin eine langfristig angelegte Basis für Projekte in der Strahlenforschung bieten.
Das Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz übernimmt die wissenschaftliche Koordination und Datenanalyse des MONIRA-Projektes (Prof. Dr. Daniel Wollschläger). Kooperationspartner im MONIRA-Verbundprojekt sind die Universitätsmedizin Mainz (Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie; Univ.-Prof. Dr. Heinz Schmidberger), das Lungenzentrum der Universitätsmedizin Mainz (Univ.-Prof. Dr. Michael Kreuter, Marienkrankenhaus) und die Universitätsmedizin Rostock (Klinik für Strahlentherapie; Univ.-Prof. Dr. Guido Hildebrandt).
Förderung durch: BMFTR (FK: 02NUK097B)
Förderzeitraum: 11/2025 - 04/2029
Roboter-gestützte Hochpräzisionsstrahlentherapie mit dem Brainlab VERO (TM) System: Evaluation innovativer Behandlungstechniken und Vergleich mit herkömmlichen Therapiesystemen (CyberKnife (TM), TomoTherapy (TM), Gantry-basierte LINACs)
Das Brainlab VERO System stellt die neueste Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Roboter-gestützten Hochpräzisionsstrahlentherapie dar. Hier erfolgt eine Verschmelzung verschiedener Technologieansätze, die sonst nur in unterschiedlichen Linearbeschleunigersystemen vorhanden sind: schwenkbare Ring-Gantry mit ebenfalls schwenkbarem Kollimator zur individuellen Strahlformung, Bildkontrolle durch on-board CT (oder ExacTrac Röntgenkontrolle) sowie kollimatorbasiertes ultraschnelles Tumortracking.
Die Zielstellung dieses Projektes ist in erster Linie der Ausbau der Hochpräzisionsstrahlentherapie mit der Akquisition von Drittmittelprojekten durch eine Verbundforschung von Medizinern, Physikern, Ingenieuren und Biologen.
Die geplanten Forschungsprojekte umfassen:
- physikalisch-technische Forschung (Evaluierung der Maschinenhardware und der technischen Umsetzung im Vergleich zur etablierten Linearbeschleunigertechnologie, Analyse der Planungssysteme und der Dosisberechnungsalgorithmen, Entwicklung bzw. Adaption vorhandener patientenbezogener Qualitätssicherung)
- Evaluation der klinischen Anwendungsmöglichkeiten (biologisch adaptierte Bestrahlungsplanung, Weiterentwicklung von Methoden der extrakraniellen Hochpräzisions-bestrahlung von z.B. beweglichen primären und sekundären Tumoren der Lunge und Leber)
- Strahlenbiologische und molekularbiologische Grundlagenforschung (in vitro und in vivo Risikoabschätzung der radiogenen Sekundärtumorrate, klinische Überprüfung des kardiovaskulären Risikos)
Weitere Informationen zu maschinenspezifischen Merkmalen des VERO-Beschleunigers finden Sie auf unserer Webseite.
Dieses Projekt wird gefördert durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE).
Projektzeitraum 11/2015 - 10/2025
Personalisierte Abschätzung von Spätfolgen nach Strahlenexposition und Orientierungshilfe für Strahlenanwendungen in der Medizin (PASSOS)
Im Vorhaben PASSOS werden die Strahlenrisiken für Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen für verschiedene Therapie- und Diagnoseverfahren analysiert. Die zu entwickelnden Risikomodelle integrieren strahlenbiologische Erkenntnisse und individuelle Risikofaktoren in die Evaluierung epidemiologischer Daten und beinhalten eine Übertragung der Risikofunktionen auf deutsche Verhältnisse. Die Dosisverteilung verschiedener medizinischer Verfahren im gesamten Körper wird für verschiedene Patientengruppen berechnet. Basierend auf den Modellen und der Dosisverteilung wird eine Software zur Orientierungshilfe bei der personalisierten Auswahl von Strahlenanwendungen in der Medizin für Erkrankungen mit guter Prognose erstellt. Damit kann die Methode mit den geringsten langfristigen Gesundheitsrisiken ausgewählt werden.
Förderung durch: BMBF (FK: 02NUK026D)
Förderzeitraum: 01/2013 - 12/2016
Homepage: passos.helmholtz-muenchen.de






