Geschichte

Dass Röntgenstrahlen bösartige Tumoren, gutartige Erkrankungen sowie akute und chronische Entzündungen heilen und lindern können, wurde schon bald nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen im Jahre 1895 erkannt.

Wann die erste Strahlentherapie an der Universität Rostock durchgeführt wurde, ist nicht eindeutig gesichert. Zunächst wurden in den 1930er-Jahren in den einzelnen Fachkliniken Röntgentherapiegeräte aufgestellt.

Zum 01.05.1960 wurde von Prof. Dr. Friedrich Held der Lehrstuhl für Radiologie errichtet. Die Strahlentherapieabteilungen wurden geleitet von OA Dr. Gzinski und OA Dr. Schmidt.

Nach Beginn der Planung im Jahre 1963 konnte im März 1968 die Einweihung des Bereiches "Ultraharte Strahlung" der Abteilung Strahlentherapie der Radiologischen Universitätsklinik in der Südstadt gefeiert werden. Es gab eine Station mit 24 Betten, eine ärztliche Ambulanz, eine Lokalisation und einen Doppelbunker für zwei Kobalt-60-Einheiten. In den Juni des Jahres fiel auch die Einweihung des ersten Telekobaltgerätes TUR TCo 2000 von TUR Dresden.

Seit 1968 wurden auch regelmäßige wöchentliche interdisziplinäre Tumorsprechstunden mit den Universitätskliniken durchgeführt, zunächst mit den Fachgebieten HNO, Gynäkologie, Stomatologie und später mit der Inneren Medizin und der Pädiatrie.

1969 wurde die zweite Bettenstation im Gebäude der Nuklearmedizin am Gertrudenplatz mit 30 Betten eröffnet. Im April des Jahres wurde das erste Siemens-Lokalisationsgerät in Betrieb genommen. Im Juli begann man mit den Arbeiten am ROKUS-Bestrahlungsgerät (Kobalt 60) aus der Sowjetunion.

Nach der Emeritierung von Prof. Dr. Held im Jahr 1976 wurde die Abteilung Strahlentherapie kommissarisch von OA Dr. med. Kittner geleitet, bis 1978 Prof. Dr. Manfred Strietzel auf den Lehrstuhl Strahlentherapie berufen und zum Direktor der Abteilung für Strahlentherapie benannt wurde. Er wurde 1979 zum ordentlichen Professor für Strahlentherapie berufen.

Im Dezember 1980 wurde das 1. Bestrahlungsgerät TUR TCo 2000 durch ein zweites Bestrahlungsgerät Typ ROKUS ersetzt.

Von Mai 1980 bis Ende 1981 dauerten die Arbeiten der Fertigstellung des Linearbeschleunigerhauses, in welchem im Dezember 1982 die Übergabe des Linearbeschleunigers LUE 15 MV aus der damaligen Sowjetunion erfolgte.

Im Frühjahr 1984 stand der Simulix-y-Lokalisationsarbeitsplatz von der Firma Delft zur Verfügung. Nach langer Anlaufphase wurde im August 1984 der erste Patient am LUE 15 MV bestrahlt.

Die Bestrahlungsplanung wurde unter Leitung von Dipl.-Phys. H. Hildebrandt nach dem Modell von Hegewald für den ROKUS und den LUE weiterentwickelt und der wechselnden Hardware angepasst.

Schon im Oktober 1984 begann die Strahlentherapeutische Abteilung in Rostock mit dem Gerät Decatron aus der Medizinischen Akademie Halle in Zusammenarbeit mit der Firma Sauerwein die Afterloading-Kontakttherapie.

Im Dezember 1986 wurde zunächst ein neuer Poliklinik-Trakt fertiggestellt mit Anmeldung, Archiv, drei Ambulanzen, Spritzenzimmer, Fürsorge, Röntgendiagnostischer Abteilung, Lokalisation und zwei Wartebereichen, bevor im Juni 1987 das neue Bettenhaus übergeben wurde. Es beherbergt zwei Stationen á 29 Betten, ein klinisches und strahlenbiologisches Labor, eine Bibliothek, einen Computerraum, einen EKG- und Ultraschallraum sowie einen Modellierraum.

Im Oktober 1987 wurde ein ROKUS-Gerät ersetzt. Es fand dann die Bestrahlung am Theratron 780 C der Firma Philips statt, bis im Oktober 1989 der erste Linearbeschleuniger Neptun 10p aus Polen installiert wurde.

1990 löste das Afterloading-Kontakttherapiegerät von Nukletron das vorhergehende Gerät ab. Im April 1991 wurde der erste Patient behandelt.

Im August 1991 konnte auch der erste Patient am Neptun 10p bestrahlt werden. Zur Bestrahlungsplanung wurde das Modell aus der Medizinischen Fakultät Halle übernommen.

Im November 1991 wurde der Linearbeschleuniger LUE außer Betrieb genommen. Die gesamte Bestrahlungsplanung wird künftig auf dem System Axiom durchgeführt.

Am 28.04.1993 wurde das Bestrahlungsgerät MEVATRON KD 2 der Firma Siemens übergeben. Zur gleichen Zeit erfolgte der Aufbau der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie durch Prof. Dr. med. Manfred Strietzel, der emeritierte und ab 01.07.1997 durch Prof. Dr. med. Rainer Fietkau abgelöst wurde.

Im März 2003 wurde dann der erste Beschleuniger mit Multileafkollimator, ein Siemens Mevatron MD2, installiert.

Der Februar 2006 war Baubeginn für eine Modernisierung und einen Teilneubau der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, erbaut durch das Land Mecklenburg-Vorpommern, Finanzministerium und gefördert durch die Deutsche Krebshilfe sowie unter Mitfinanzierung des Bundes nach dem Hochschulförderungsgesetz. Die Einweihung konnten wir im Juni 2008 feiern. Darin stehen eine Tagesklinik mit 6 Betten sowie nach einer Erweiterung im Jahre 2010 48 stationäre Betten in überwiegend Ein- und Zweibettzimmern zur Verfügung. Dieser Teilnaubau und die Modernisierung waren nur aufgrund des persönlichen Engagements und der unermüdlichen Bemühungen von Professor Fietkau möglich.

Im Frühsommer 2007 gingen dann zwei identische moderne Beschleuniger der Firma Siemens - Oncor Impression Plus - mit einem 82 Multileafkollimator und digitalem Portalimaging in Tandembetrieb. Einer der beiden Beschleuniger wurde zusätzlich mit einem Mikromultileafkollimator - Siemens Moduleaf - ausgestattet, um dort auch stereotaktische Bestrahlungen im kraniellen Bereich anbieten zu können.

Vervollständigt wurde die gerätetechnische Ausrüstung der Klinik dann im Mai 2008 durch einen Siemens Linearbeschleuniger - Oncor Expression IMRT - mit verbessertem digitalem Portalimaging und Megavoltage Conebeam CT. Dadurch und durch die Nachrüstung dieses Beschleunigers mit einem 160 Multileafkollimator im Frühjahr 2010 besteht die Möglichkeit, die Strahlentherapie auch bildgesteuert durchzuführen (IGRT). Intensitätsmodulierte Strahlentherapie können wir an zwei Linearbeschleunigern durchführen und tun dies seit Oktober 2009.

In der Brachytherapie gab es 2009 eine Neuerung: Das Microselectron HDR 2 ersetzte im Januar das Vorgängergerät der Firma Nucletron.

Am 01.01.2012 wurde für die ambulante Patientenversorgung das Medizinische Versorgungszentrum des Universitätsklinikums Rostock am Standort Südstadt gGmbH gegründet. Ärztlicher Leiter ist Prof. Dr. med. G. Hildebrandt.

Klinikdirektoren

Prof. Dr. med. sc. Friedrich Held
1958 - 1976

MR Dr. med. Karl-Heinz Kittner
komm. 1976 - 1978

Prof. Dr. med. habil. Manfred Strietzel
1978 - 1996

Prof. Dr. med. Rainer Fietkau
01.07.1997 bis 31.12.2007

PD Dr. med. Gunter Klautke
komm. 01.01.2008 bis 30.05.2009

Prof. Dr. med. Guido Hildebrandt
seit 01.06.2009